Hier findest du mich:                                                            Annette Rosskamp

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Mein Weg

Als zweites Kind wurde ich im August 1953 im Ruhrgebiet, als Tochter von Hans und Trude Rosskamp, geboren. Mein großer Bruder Peter war immer an meiner Seite und ist auch heute noch mein engster Berater und bester Freund. Schon früh kam ich mit dem Thema "Sterben und Tod" in Kontakt.

Meine Mutter starb 1971 mit 46 Jahren an Krebs. Ich war 17 Jahre alt, mein Bruder gerade 18. Ihre Krankheit wurde im November diagnostiziert, am 21. Januar, zwei Monate nach der Diagnose, verstarb sie. Von einem Tag auf den anderen Tag bekam mein Vater 1977 Gehirnblutungen und verstarb noch in der selben Nacht. Unsere Eltern, die wir so liebten waren ganz plötzlich nicht mehr an unserer Seite, wir mussten nun versuchen das Leben ohne sie zu meistern.

So kam die Auseinandersetzung, dass jeder Mensch sterblich ist, schon sehr früh in unser Bewußtsein. Das sich das Leben ganz plötzlich von heute auf morgen verändern kann, war für uns ganz präsent geworden. Wenn der Tod in eine Familie kommt, ist nichts mehr wie es war, alles ändert sich und jeder muss seinen eigenen Trauerweg suchen und finden. Ich heiratete 1973 und bekam zwei wunderbare Kinder, Christian und Christiane, die heute 35 und 32 Jahre alt und meine wichtigsten Bezugspersonen und Gesprächspartner sind, auch im Thema Leben und Sterben.

1984 verstarb eine Freundin von mir mit 26 Jahren an Krebs, ihre Kinder waren zu dieser Zeit vier und ein Jahr alt. Ich begleitete sie und besuchte sie bis zum letzten Tag. Ihre Offenheit über ihr Sterben zu reden, hat mich tief beeindruckt. Sie ging in Frieden ohne Angst, bedauerte aber sehr, dass sie ihre beiden Kinder nicht aufwachsen sehen würde.

Mein eigenes Leben mit Partnerschaft und zwei Kindern verlief in Harmonie, eine heile Familie, Krabbelgruppen-, Kindergarten- und Schulzeit der Kinder, ich arbeitete nur stundenweise und war glücklich über die Familienzeit und, dass ich meine beiden Kinder gesund aufwachsen sehen konnte. Aber auch das währte nicht für ewig, Trennungsschmerzen gab es zu durchleben und zu bewältigen. So hatte auch ich meine persönlichen Abschiede zu meistern, ob ich es wollte oder nicht.

Im Jahr 1991 erkrankte der Sohn einer sehr engen Feundin an Leukämie. Meine Tochter und Robin, der Sohn meiner Freundin, wurden im gleichen Jahr geboren. Gemeinsam waren beide in der Krabbelgruppe, im Kindergarten und in der Schule. Wieder stand das Thema "lebensbedrohliche Erkrankung" im Raum, als Robin im Alter von sieben Jahren an Leukämie erkrankte. Robin packte alles, Klinikaufenthalte, Chemo, er hielt alles aus, hielt alles durch. Er war ein sehr hübscher, kluger und außergewöhnlicher Junge, der Sonnenschein der Familie. Selbst ein Jahr Krankenhausaufenthalt brachte seine Leistungen nicht ins Abseits. Er ging wieder zur Schule und galt als gesund, bis der Krebs zurück kam und Robin dann doch im Oktober 1994 mit zehn Jahren, starb.

Wir begleiteten ihn mit 60 bunten Helium-Luftballons auf seinem letzten Weg, die in den Himmel stiegen, als man seinen Sarg in die Erde herabließ. Seine Krankheit und sein Tod sind das Schlüsselerlebnis für mich. Sein Tod zeigte mir deutlich, dass ich schwerkranke Kinder und trauernde Eltern begleiten will. Robins Eltern waren die wundervollsten Eltern, die er sich wünschen konnte. Ihre großartige und liebevolle Begleitung seines kurzen Lebensweges, durch alle Höhen und Tiefen, war prägend für diesen meinen kommenden Weg mit den kranken Kindern und Jugendlichen. Robin ist nun schon seit 20 Jahren tot, aber seine Lebensmelodie klingt in meinem Herzen weiter.

Meine Kinder wurden erwachsen, leben nun ihr eigenes Leben. Meine Zeit mit ihnen und vielen anderen Menschen brachte mir viele schöne Momente, immer wieder positive Erfahrungen. Trotzdem gab es auch in dieser Lebenszeit viele Höhen und Tiefen zu meistern, viele kleine und große Abschiede vollzogen sich während dieser Jahre. Abschied von Arbeitsstellen, Abschied vom Vater meiner Kinder, Abschiede von Verwandten und Freunden die starben und der Abschied vom Heimatort in dem ich geboren wurde. Durch die vielen Erfahrungen und Erlebnisse mit diesen Abschieden in meinem Leben fand ich zu meiner Berufung.

Schwerstkranken Kindern, ihren Geschwistern und ihren Eltern ein bisschen Alltag in ihre Welt zu bringen ist mein großer Wunsch, mein Traum.

In Zeiten, in denen es diesen Familie gut geht, den Kontakt zu halten und in Zeiten wenn die Krisen kommen da zu sein, das ist mein Anliegen. Ich habe selber in Zeiten meiner Trauer und Verluste, seien sie groß oder klein gewesen, immer Freunde an meiner Seite gehabt, die mich "durch die Nacht" gebracht haben. Der Vater meiner besten Freundin sagte immer: "Und unter jedem Dach, ein ACH". Das heißt, wenn alle Menschen ihre Trauer-Rucksäcke auspacken würden, würden wir sehr gut erkennen, dass niemand ohne Trauer und Verlust lebt. Das imaginäre bessere, glücklichere Leben des anderen gibt es nicht, denn jeder hat sein Schicksal zu meistern, ob er es will oder nicht. Somit sitzen wir alle gemeinsam in einem Trauerboot auf dem Fluss des Lebens. (Dessen sind wir uns aber selten bewußt)

Mein Wunsch ist es sterbenden Menschen zur Seite zu stehen und trauernden Hinterbliebenen Trost zu spenden.

Wichtig ist der Mensch, der dich lässt wie du bist, dem du alles anvertrauen kannst: Trauer, Wut, Hass, Verzweiflung. Der da ist wenn die Nacht am dunkelsten ist und geht wenn es wieder hell wird.

Unsere Trauer müssen wir alle alleine aushalten und durchleben, keiner kann das für uns leisten. Leichter wird es aber, wenn wir einen Begleiter an unserer Seite haben, der all das gemeinsam mit uns aushält und liebend "erträgt", mitträgt, damit wir immer ein kleines Stück auf unserem Trauerweg weiter vorankommen können.

Trauer, um einen Menschen den man verloren hat, geht nie ganz vorbei, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber sie wandelt sich, wird milder und wenn wir sie zulassen und uns den Schmerzen und Tränen stellen, dann entsteht langsam wieder neues lebbares Leben. Durch mein Ehrenamt auf einer onkologischen Kinderkrebsstation habe ich in den nun acht Jahren meines Ehrenamtes viele Kinder in den Tod begleitet.

Mein Beruf als Bürokauffrau, den ich Zeit meines Lebens ausgeübt habe, führte mich 2011 ins Kinderhospiz Sternenzelt Mainfranken e.V. Im Sternenzelt verbinden sich Beruf und Berufung zu einem wunderbaren Ganzen. Ich bin froh und glücklich, dass mich das Leben, wenn auch über viele Umwege und durch manchmal tiefe Täler, zu dieser wunderbaren Aufgabe geführt hat. Mit Dankbarkeit schaue ich zurück auf meinen Weg, den meine Familie und meine Freunde immer bejaht haben. Sie haben mich unterstützt und bestärkt in dem was ich tue. Sie sind zu den  wertvollsten und besten Trauerbegleitern meines eigenen Lebens geworden.